Kommunikations- und Ausstellungsdesign

Ausstellungen

Wanderaustellung FÜR.SORGE.ERZIEHUNG – ERZÄHLEN.ERINNERN.VERANTWORTEN

Kunde: Universität Koblenz-Landau
Leistung: Konzeption und Umsetzung Ausstellungsarchitektur, Ausstellungsgrafik
Fertigstellung: 18.05.2010

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Ausgehend von Erzählungen und Erinnerungen ehemaliger Zöglinge über das Leben vor, in und nach der Fürsorgeerziehung will die Wanderausstellung 'FÜR.SORGE.ERZIEHUNG – erzählen.erinnern.verantworten' Zustände, Funktionen und Folgen der Fürsorgeerziehung öffentlich machen. Eingebettet in die Lebensverhältnisse und Erziehungsvorstellungen der 1950er und 60er Jahre, werden die Lebens- und Arbeitsverhältnisse in einer Fürsorgeerziehungsanstalt am Beispiel des Landesfürsorgeheimes Glückstadt aufgerollt.

http://www.fuer-sorge-erziehung.de


In enger inhaltlicher Kooperation mit der Projektgruppe 'Fürsorgeerziehung 1945 bis 1975' der Universität Koblenz-Landau entwickelten wir Architektur und Grafik einer Ausstellung, die Menschen eine Stimme gibt, die gesellschaftlich zumeist ungehört bleiben.


Glückstadt gehörte zu den sog. »Endstationen« der Fürsorgeerziehung. In diesen geschlossenen Heimen herrschte ein besonders restriktiver und repressiver Erziehungsstil mit straffer Arbeitserziehung. Militärähnlicher Drill, Erniedrigungen und die Anwendung körperlicher Gewalt gegen Zöglinge gehörten ebenso ins Repertoire der Erziehungsmethoden wie das zeitweise Wegsperren der Jugendlichen in Arrest- oder Isolationszellen.

Im damals viel beachteten AFET-Heimverzeichnis wird das Landesfürsorgeheim Glückstadt beschrieben als "Haus für besonders Schwererziehbare und Streuner. Das Heim ist gänzlich geschlossen. Keine Erstaufnahmen, sondern nur Verlegungen, wenn in offenen Einrichtungen nicht mehr haltbar."


Wie kam man nach Glückstadt?
Jungen, die keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgingen, galten als arbeitsscheu und demnach verwahrlost. Mädchen, die sich früh mit Jungen trafen, waren sexuell auffällig und ebenfalls verwahrlost. Da Verwahrlosung in Gesetzen nie eindeutig definiert werden konnte, öffnete dieser unbestimmte Rechtsbegriff auch Unterstellungen und übler Nachrede Tür und Tor. Geringfügige Anzeichen für unerwünschtes und störendes Verhalten junger Menschen reichten aus, in die Fürsorgeerziehung überwiesen zu werden. Volljährig war man damals erst mit 21.

Die nächsten Stationen der Ausstellung und weitergehende Informationen können auf der Webseite nachgelesen werden:
www.fuer-sorge-erziehung.de